Ran an die Hörner beim 16. Hornschlittenrennen in Avers

31. Januar 2012 - Hanna Finkel

Am Samstag, 4. Februar 2012, schieben, lenken und bremsen die schnellsten Hornschlittenfahrer Europas auf der Valle di Lei-Strecke in Avers in der Winterregion Viamala zum 16. Mal um die Wette.

Keine Angst vor der Geschwindigkeit. (Urheber: Bilder Hornschlittengemeinschaft Avers)Das Hornschlittenrennen hat in bereits eine lange Tradition. Doch wie ist diese spektakuläre Variante des Naturbahnrodelns eigentlich entstanden?

Der , auch „Horner“ oder „Horen“ genannt, war ursprünglich ein wichtiges Arbeitsgerät für die Bergbauern. Als winterliches Fuhrwerk diente der Riesenschlitten den Bauern dazu, größere Mengen an Heu oder Holz von den abgelegenen Almhütten ins Tal zu transportieren. Mit einer Ladung, die nicht selten mehr als eine Tonne wog, wurde der Transport zu einem nur mühsam zu kontrollierenden und gefährlichen Unterfangen. Damals wie heute besteht die Besatzung eines Hornschlittens daher aus drei kräftigen Personen, die gemeinsam den Schlitten in Zaum halten: Der Lenker, der den Schlitten an den langen Hörnern packt und in der Spur hält. Der Bremser, der mithilfe von angeschraubten Stahlplatten an den Schuhen die Geschwindigkeit kontrolliert und der Läufer, auch Anschieber genannt, der dem Schlitten mit seiner ganzen Kraft den nötigen Schwung verleiht.

Der Hornschlitten als unerlässliches Transportmittel um 1945. (Urheber: Flominator)

Heute ist das Hornschlitteln eine ernstzunehmende Sportart, bei der mittlerweile nationale und internationale Rennen ausgetragen werden. Inklusive strenger Reglements!

Auszug aus dem Reglement des Horenschlitten-Clubs Habkern, 2003

1. Der Horn-, Heu oder Ziehschlitten muss mit Ausnahme der Verstrebungen aus Holz sein und darf nicht umgebaut werden.

1.1 Jedes Teil des Hornschlittens muss fest verbunden sein (nicht beweglich).

1.2 Sitzbretter dürfen hinten maximum 30 cm über das Kufenende und vorne maximum 30 cm über das vorderste Joch hinaus ragen.

2. Auf die Kufen dürfen keine Skibeläge oder dergleichen angebracht werden. Übliche traditionelle, flache Eisen und Stahlbeschläge sind zugelassen.

2.1 Sperrtatzen, Bremshilfen und Haltebügel sind verboten. Das Mitführen von Zusatzgewicht ist nicht zulässig. Polsterungen sowie Rucksack und Tornister sind erlaubt.

2.2 Haltebügel oder Halteseile sind nicht gestattet (ausgeschlossen sind Seile zur Befestigung der Matratzen oder Rucksäcke).

3. Die Besatzung besteht aus mindestens zwei Personen. Das Tragen eines geprüften Schutzhelmes ist empfehlenswert (Kluge Köpfe schützen sich).

3.1 Das Rennen kann von jedem Teilnehmer nur einmal geschlittelt werden.

3.2 Am Rennen zu gelassen ist, wer das 16. Lebensjahr erreicht hat.

4. Das Schuhwerk soll den Verhältnissen angepasst sein, jedoch sind Skischuhe oder sonstige preparierte Schuhe nicht erlaubt.

4.1 Beim Einholen der vorher gestarteten Schlitten ist die Bahn auf Zurufen frei zu geben, so dass die schnellere Mannschaft das Rennen ungehindert fortsetzen kann.

5. Nichteinhalten des Reglements führt unweigerlich zur Disqualifikation.

6. Auf urchige Originalität wird grossen Wert gelegt.

7. Die Schlittenmannschaft muss aus eigener Kraft auf der vorgegebenen Strecke vom Start bis ans Ziel gelangen. Schieben von Drittpersonen ist verboten.

8. Torfehler gibt 30 Sekunden Zuschlag. Beide Kufen und die Mannschaft müssen das Tor durchschlitteln.

9. Es wird auf 1/10 Sekunden genau gestoppt. Bei Zeitgleichheit entscheidet das höhere Alter der Schlittenbesatzung.

10. Die Versicherung ist Sache jedes einzelnen.

Mehr Informationen zum 16. Hornschlittenrennen in bekommst Du hier.