Im Skigebiet Motta Naluns in Scuol steht ein Schlepplift namens Prui. Vielleicht einer der Letzten seiner Art. Denn wusstet Ihr, dass der Schlepplift vom Aussterben bedroht ist? Das stimmt mich traurig, denn ich habe schon viel Schönes und Lustiges im Schlepplift erlebt. Deswegen stimme ich an dieser Stelle ein Loblied auf den Schlepplift an.
Mein Onkel könnte ein Lied davon singen. Er pflegte es nämlich, eben diesen Schlepplift Prui in Scuol den Berg hinunter zu liften, anstatt hinauf – wie jeder normale Skifahrer. Ganz zum Unwollen der Schweizer Liftbetrieber, die dann in Schwizzer-dütschem Dialekt gelegentlich ausriefen: „Hesch des gsee? Der hät en Riss i de Schlüssle!“ Das ein oder andere Mal musste mein Onkel dann auch den Liftpass abgeben. Aber der Spaß war’s wert. Ich hingegen war in meinen Kinderjahren ein wahres Leichtgewicht. Mit der Liftspur kam ich nur gelegentlich in Berührung. Vielmehr schwebte ich förmlich immer darüber hinweg. Mein Körpergewicht konnte dem Zug des Bügels einfach nichts dagegen setzen. Später, als ich dann älter wurde und folglich auch schwerer, ließen wir uns weitere Albernheiten einfallen, um die Liftfahrt im Schlepplift spannend zu gestalten. Partnerwechsel während des Liftens, rückwärts liften, mit einem Ski oder mit keinem Ski liften – unserer Kreativität waren keine Grenzen zu setzen. Einmal haben wir es sogar geschafft, zu acht im Schlepplift zu liften. Bis sich die Schnur des Schleppliftes, die Verbindung zwischen Bügel und Lift, auf einmal verabschiedet hat. Oja, das war lustig.
Seit einigen Wintern beschleicht mich allerdings ein dumpfes Gefühl. Ich befürchte, der Schlepplift ist vom Aussterben bedroht. Zweier, Dreier-, Vierer-, Sechser- und sogar Achter-Sessellifte laufen dem klassischen Schlepplift den Rang ab. Letzten Winter saß ich in einem dieser Hightech-Skifahrer-beförderungsmaschinen. Die Liftfahrt ging mir für meinen Geschmack ja viel zu schnell vorbei und außerdem hatte ich einen ganz feuchten Po, nachdem ich am Gipfel ausgestiegen bin. Das muss wohl an der Sitzheizung der edlen Ledersitze gelegen haben – was für ein Überfluss. Auch konnte ich nicht wie sonst üblich, die Schneeflocken mit meinem Mund fangen, denn eine Plastikhaube trennte mich von den Leckerbissen. Warum? Damit man nicht nass wird? Dann darf man aber auch beim Skifahren nicht in den Schnee fallen, von Schneeballschlachten ganz zu schweigen…
Folgende Nachricht stimmte mich erst kürzlich sehr fröhlich: mir kam zu Ohren, dass im Skigebiet Tenna im Kanton Graubünden in diesem Winter der erste Solarschlepplift der Welt gebaut wurde. Das finde ich natürlich toll! Und das ist eine gute Sache. Mein Ziel für meinen nächsten Skiurlaub steht daher fest. Auf nach Tenna und vielleicht kommt mein Onkel auch wieder mit.
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